IMHO: Thermomix als Einstiegsdroge für vernetzte Haushaltsgeräte

“Ich brauche keinen Amazon Dash-Button: Wenn ich was bestellen will, dann weiß ich das selbst und nehme es beim nächsten Mal mit. Da kann ich dann auch Preise vergleichen und niemand bestellt was aus Versehen.” “Smart-TV? Blödsinn. Sinnlos, ein einziges Chaos in der Bedienung, nicht zukunftssicher und auch noch ein Spion im Wohnzimmer.” “Eine intelligente elektrische Zahnbürste? Das ist doch Kundenverarsche. Jeder Mensch weiß, wie man Zähne putzt.” “Ein Lautsprecher, mit dem ich reden kann? Und der hört dann die ganze Zeit, was im Raum gesprochen wird? So was kommt mir nicht ins Haus!”

So oder so ähnlich lauteten die Kommentare im Freundeskreis zu neuen Haushaltsgeräten mit “Mehrwert” durch Vernetzung. Auch Waschmaschinen und Kaffeemaschinen, die ihren Status per App melden, Lampen, deren Lichtstimmung man per Smartphone steuern kann, oder digitale Türschlösser sind für die meisten meiner Bekannten kein Thema.

Mit dem Thermomix ins WLAN

Und jetzt? Der eh schon gehypte Thermomix kann neuerdings mit einem WLAN-Modul nachgerüstet werden. Der Cook-Key® verspricht, Lieblingsrezepte auf das Display des TM5 zu holen. Man besorgt sich das Modul, surft nach Registrierung auf dem zugehörigen Rezeptportal (wahlweise per PC, Tablet oder Smartphone) und schickt sich dann das ausgewählte Rezept auf seinen Thermomix. Eine Einkaufsliste fürs Smartphone gibt es als praktische Ergänzung. Und schon steht dem geschmackvollen Abendessen nichts mehr im Wege – samt Geling-Garantie.

Plötzlich sind alle Feuer und Flamme. Dabei ist der Cook-Key® nicht billig … und nach sechs Monaten wird ein Jahresabo fällig, wenn man die bequemen Funktionen weiter in vollem Umfang nutzen will. Und natürlich fallen hier auch eine Menge Daten für den Betreiber an. Nicht nur der persönliche Geschmack und die Nutzungsgewohnheiten für die Maschine lassen sich so feststellen: Wenn regelmäßige Nutzer plötzlich zwei Wochen die Nutzung einstellen, könnten sie in Urlaub sein. (Oder die Begeisterung hat nachgelassen, naja.)

Cleveres Marketing

Aber das Spannende in dieser Begeisterung für den Cook-Key® ist, dass Vorwerk geschafft hat, was bislang kaum einem Anbieter vernetzter Haushaltsgeräte gelungen ist: Der Mehrwert begeistert so, dass selbst hartgesottene Gegner(innen) vernetzter Geräte plötzlich nicht mehr abgeneigt sind. Und das gleich noch mit einem Jahresabo für 36 Euro zu verknüpfen: Chapeau! Da haben die Marketingstrategen wohl etwas richtig gemacht.

Vorbild für andere Hersteller?

Für Anbieter zeigt das aber auch, wie vernetzte Funktionen an den Mann oder die Frau gebracht werden können: durch geeigneten Zusatznutzen für vorhandene Geräte. Und der ist bei vielen anderen Angeboten marginal, gleich mit kompletten Neuanschaffungen verbunden oder die Bedienung ist so unpraktisch, dass die Geräte ungenutzt rumstehen oder gleich im Müll landen.

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Sehen wir mal, ob in sechs Monaten, wenn die ersten Aboverlängerungen anstehen, noch jemand vom Cook-Key® redet. Im Weihnachtsgeschäft ist er jedenfalls ein Renner. Und vielleicht der Türöffner für mehr vernetzte Haushaltsgeräte im Alltag. Wenn man das denn wirklich will … was man sich gut überlegen sollte.

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In der Rubrik IMHO – In My Humble Opinion – veröffentlichen wir persönliche Kommentare und Meinungen, die – manchmal überspitzt formuliert – zum Nachdenken anregen sollen.

Markus Stolpmann

Der Autor und Unternehmensberater ist Onliner der ersten Stunde. Als Informatiker hat er sich der Aufgabe verschrieben, die Auswirkungen des digitalen Wandels allgemein verständlich aufzubereiten und wirtschaftliche wie gesellschaftliche Chancen & Risiken zu thematisieren.